Jesus Christus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Joh 16, 22
von Gisela Nagel
Ja, mag bei dieser doch eigentlich sehr schönen Zusage, die man gewiss nicht belächeln, sondern aus der man ein tiefes Vertrauen in GOTTES Weisheit und Güte, aber auch seine Strenge, ableiten sollte - ja, mag manch einer denken: das hört sich ja sehr verheißungsvoll an, aber wann wird das sein? Ich bin jetzt unendlich traurig, betrübt, vielleicht sogar deprimiert, was soll mir da eine Vertröstung auf ein ungewisses Irgendwann nützen, helfen.
Was treibt uns Menschen um, warum gelingt es so vielen nicht, im Hier und Jetzt schon Glück und Zufriedenheit zu finden? Woher kommen sie, unsere Stimmungsschwankungen, die schon Goethe und viele Menschen vor und nach ihm kannten. Denn Goethe schrieb einmal: “Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt; glücklich allein ist die Seele, die liebt.” An welche Art der Liebe er dabei gedacht hat, wir wissen es nicht so genau. Das Lieben ist ja auch so ein “weites Feld”. - Doch leider ist das Lieben gar zu oft mit Eigennutz verknüpft. Ich liebe diesen Menschen, weil er so schön ist, weil er mich zum Lachen bringt, weil er gut zu mir ist, weil ich ihn brauche und nicht missen möchte. Und manchmal wird dabei der geliebte Mensch als mein Eigen betrachtet, woraus dann leicht Probleme entstehen können durch unbewusste Bevormundung, “liebevolle” Gängelung und eiserne Umklammerung.
Ich glaube, ähnlich geht es vielen Menschen in ihrer Liebe, ihrem Vertrauen zu GOTT, zu Jesus. “ Ich glaube doch an GOTT, gehe jeden Sonntag in die Kirche, spende eifrig bei der Kollektensammlung, bin freundlich zu jedermann warum hilft mir denn GOTT nun nicht aus dieser oder jener schwierigen Situation? Warum lässt ER Krankheit, Not und Elend zu? Warum, warum, warum???“ Vielleicht, weil ER die größere Übersicht hat als wir Menschen aus unserer Frosch-perspektive, vielleicht, weil auch ER sich “umklammert” fühlt, wenn wir ihn mit unserer so genannten Liebe zu erpressen versuchen. “Ich liebe dich doch, ich habe doch zu dir gebetet, ich singe dir im Gottesdienst mit meiner schönen Stimme die feinsten Choräle. Nun musst du aber auch machen, was ich von dir erbitte”.
Doch das alles ist, wie ich denke, keine Demut, keine bedingungslose Liebe. In einem Gebet der Benediktinermönche heißt es. “Herr, auf dich vertraue ich; in deine Hände lege ich mein Leben.” Mit diesem Glauben, diesem Vertrauen können wir wohl auch auf Jesus Zusage über die ewige Freude hoffen.
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Auch Predigen muss gelernt sein
von Hedwig-Dorothea Affeldt
Mein Alter Vater verlebte sein letztes Lebensjahr, er wurde 90 Jahre alt, bei mir in Prerow.
Zunächst konnte ich ihn sonntags noch zum Gottesdienst in die Prerower Kirche fahren, was ihn sehr erfreute. Aber dann war er so behindert, dass ich ihn nicht mehr ins Auto hinein und auch nicht hinaus bekam. Für ihn war das recht traurig, war er doch beruflich und privat ein echter Kirchenmann.
Um ihm eine Freude zu machen beschloss ich, für ihn ein eine kleinen Gottesdienst zu veranstalten. Die ganze Liturgie sollte es nicht sein, aber eine kurze Predigt fand ich doch notwendig. Für mich ungeübten Menschen war das ja recht schwierig und so beschäftigte ich mich mehrer Abende mit der Bibel und dem Gesangbuch.
Der Sonntag war da, ich zündete auf dem runden Esstisch um die alte Familienbibel herum Kerzen an. Vater und ich sagen zwei Gesangbuchverse, er mit seiner zittrigen, ich aber mit lauter Stimme. Nach kurzer Liturgie kam dann meine Predigt. Mir war durchaus nicht wohl dabei, aber tapfer kämpfte ich mich durch, hatte ich ja einen sehr versierten Zuhörer. Sehr glücklich war ich, als ich es geschafft hatte und beendete das Ganze mit einem kurzen Spiel auf meiner Geige. Mein Vater, der ja viel Humor hatte, nahm meine Hände, streichelte sie liebevoll, lächelte und sagte: „Du hast dir ja große Mühe gemacht, ich finde das lieb von dir, aber es ist ein Glück, dass Du nicht Theologie studiert hast!“
Nach dieser niederschmetternden Kritik lachten wir beide und ich kann beschwören, dass ich in meine weiteren Leben nie wieder eine eigenen Predigt versuchte. Und das war sicherlich für die christliche Menschheit ein Glück!
Für Vater kam Hilfe durch unsere Pastorin, die bis zu seinem Tode ihm einmal wöchentlich eine Andacht hielt und ihm eine Auszug aus ihrer sonntäglichen Predigt brachte. Daran denke ich mit herzlichem Dank!
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