Herr, bin ich es?
von Gisela Nagel
Ein kleiner Junge, der in einem Kinderheim lebt, wird von einer Familie zu sich nach Hause eingeladen. Später, nach seiner Rückkehr ins Heim erzählt er. Er erzählt, wie sie zu Mittag gegrillt haben, wie er die Quarkspeise machen durfte, dass es den Kindern gut geht, dass die Familie Kaninchen hat und dass sie Ball gespielt haben. Und dass Michael, der große Vater, gestolpert und hingefallen ist.
“Und die Kinder auf den drauf, die haben getobt!”
“Du auch?”
“Na ich doch nicht!”
Als ich diese Geschichte vor etlichen Jahren las, hat sie mich sehr berührt, weil sich dieser kleine Junge von vornherein als nicht dazugehörig empfand. Zwar waren alle nett zu ihm, und doch war er überzeugt, nicht wirklich gemeint zu sein.
Etwas anders ist die Situation, wenn der Lehrer in der Schule die Kinder bittet, sich doch mal um die Pflanzen im Raum zu kümmern oder einen Artikel für die Schülerzeitung zu schreiben oder an einem Arbeitseinsatz teilzunehmen. …… Da mögen wohl die Köpfe heruntergehen oder sich die Augen nach innen kehren. Und viele mögen denken oder sich sagen: Meint der etwa mich, bin ich es, der den Artikel schreiben soll? Aber wer bin ich denn? Ich kann das doch gar nicht. Und von Blumenpflege habe ich auch keine Ahnung, am Ende mache ich etwas falsch und die Pflanzen gehen ein und alle geben mir die Schuld - lieber nicht!
Es kann auch passieren, dass GOTT sich an uns wendet, nein sicher wird er nicht an unsere Tür klopfen, aber unser gutes oder schlechtes Gewissen regt sich vielleicht und wir werden unruhig, weil wir spüren, dass wir etwas tun müssten. Aber da mögen wir auch denken oder sagen: Ich doch nicht. Ich kann doch nichts machen. Was geht mich der Nachbar an, oder das gedemütigte Kind oder Ungerechtigkeit, Falschheit, Intrige, Lüge……
Auch Mose, von GOTT am Berg Horeb aufgefordert, das Gottesvolk aus der Knechtschaft zu führen, wäre lieber nicht gemeint gewesen.
“Wer bin ich denn?” Ich als einfacher Ehemann, Schwiegersohn und Schafzüchter kann doch so eine große Aufgabe nicht übernehmen. Aber er übernimmt sie, weil er sich von GOTT unterstützt, gestützt und somit stark genug fühlt.
Beim letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feiert, sagt er mit Bestimmtheit, dass ihn in dieser Nacht noch einer der Jünger verraten werde. Alle sind sehr erschrocken, und keiner ist sich sicher, es nicht sein zu können. Sie fragen Jesus: “Herr, bin ich es?” Offenbar wissen sie um des Menschen Schwachheit, um seine manchmal gegenpoligen Empfindungen, um den Streit des “Guten” mit dem “Bösen”, das jeder Mensch oftmals in seinem Innern und mit sich selbst auszufechten hat.
Aber ich denke, uns sollte es nicht schrecken, wenn wir feststellen, dass wir gar nicht so edel sind, wie wir sein möchten. Wenn wir nur GOTT in uns, um uns und mit uns haben, kann das “Böse” in uns nicht überhand nehmen und wir werden immer häufiger die richtigen Entscheidungen treffen und brauchen keine Angst zu haben: Weder davor, dass wir zum Verräter werden könnten oder zum Lügner oder in Intrigen verwickelt werden. Wenn wir GOTTES Nähe erbitten und zulassen, Ihn in unser Leben einbeziehen, und von Ihm einbeziehen lassen, brauchen wir uns vor nichts zu fürchten.
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Die Hand Gottes
von Hedwig-Dorothea Affeldt
Ein Gottesdienst im Fernsehen in einer modernen Kirche, … auf dem Altar die Plastik einer aufrecht stehenden Hand mit leicht nach innen gebogenen Fingern... Immer wieder muss ich diese Hand ansehen, ja, es ist so, sie ist eine eigene besondere Predigt!
Wenn ich als Kind die große Hand meines Vaters spürte, die meine kleine Hand liebevoll umschloss, fühlte ich mich geborgen und behütet. So war es auch ganz natürlich, dass ich in meinem weiteren Leben Gott immer als den liebevollen Vater sah, dessen Hand ich ergreifen konnte, die mich durch das Leben führte. Sie wurde immer besonders fühlbar, wenn es Nöte, Sorgen und Schwierigkeiten gab, und dies bis in mein hohes Alter.
Aber ich kann sie auch dankbar ergreifen für alles Gute und Schöne, was ich erlebe, so als wenn ich die des Vaters dankbar drücken würde.
Eines Tages schenkte mir jemand eine Ansichtskarte, auf der eine Hand abgebildet war, in der ein kleines Vögelchen saß. Die Finger schlossen sich um diesen kleinen Körper und keine traurigen und schrecklichen Einflüsse von außen konten ihm schaden.
Dies empfand ich wie eine Bestätigung meines Kinderglaubens. Im Konfirmandenunterricht war ich sehr unglücklich, denn ich konnte mit Christus nichts anfangen. Weshalb und wie sollte ich an ihn glauben? Unser Pfarrer, voller Verständnis für meine Not, setzte sich mit mir auf eine Bank neben unserer alten Kirche:
„Weißt Du, es ist ganz einfach. Gott ist allumfassend und so groß, dass er, um eine fassbare Verbindung zu den Menschen zu bilden seinen Sohn Christus schickte, ihn mit den Menschen leben und als Mensch durch den Tod am Kreuz leiden ließ. Durch die Auferstehung wird die Existenz Gottes bewiesen und auch die Hoffnung, nach dem Tod zu Gott zu kommen. Du musst nur glauben, dass Christus der Arm Gottes ist, den wir ergreifen können, wenn wir ihn darum bitten.
So können wir dankbar sein, dass Gott sich in Christus uns entgegen neigt. Nehmen wir das an, werden wir den strafenden Gott nicht spüren müssen.
Sehr oft habe ich in meinem Leben an dies Gespräch gedacht und fühlte mich trotz meiner Fehler und Schwächen stets gerührt und behütet, was mich froh und glücklich macht.
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