Brot für die Welt! - Die ganze Welt für unser Brot?l
von Gisela Nagel
Gibt es sie, die stummen Schreie, die ungeweinten Tränen? Als die Filmbesucher an einem Mittwoch im Juni das Lesecafe unserer Kirchgemeinde verließen, konnte man durchaus diesen Eindruck gewinnen. Kaum ein Wort wurde gesprochen und jeder schien nahezu ohnmächtig vor Traurigkeit, Wut, und Ratlosigkeit.
Welchen Horrorfilm hatte man sich angesehen? Hatte es hinterlistigen Mord und sadistische Intrigen gegeben? Ist literweise Blut geflossen, hatten sich Schwerverletzte in Todesqualen gekrümmt? Hatten wahnsinnige Psychopaten ihre schlimmsten Gelüste an unschuldigen Opfern ausgelebt?..............!
Eigentlich waren die Besucher zu einem Dokumentarfilm eingeladen, einem Dokumentarfilm mit dem Titel “We feed the world”, in dem es um die Ernährung der Menschen auf unserer Erde ging. Das kann ja nur etwas sehr Positives sein, sollte man meinen. Jedem Menschen sein “Tägliches Brot” zu gewährleisten ist doch ein lobenswertes Ziel.
Doch was mussten die Besucher sehen? Es begann damit, dass wunderbar appetitlich aussehende Brote, von denen man fast den herrlichen Brotgeruch ahnen konnte, dass diese Brote in Unmengen in einen Schredder transportiert wurden, um beseitigt zu werden. Und man musste hören, dass in Wien täglich soviel Brot vernichtet wird, dass damit die ganze Großstadt Graz versorgt werden könnte. Täglich!!!!! Und woher kommt das viele Mehl zum Backen all dieser Wegwerfware? Zum großen Teil wird es aus Indien eingeführt, Indien, von dem man weiß, dass es ein armes Land ist, mit sicherlich einigen Reichen, die an diesem Getreideexport noch reicher werden. Doch Hunger, Armut, Krankheiten und unbeschreibliches Elend spielen sich auf Indiens Straßen ab. Nicht zufällig war die selig gesprochene Mutter Teresa in Indien aktiv.
Doch noch erschütternder waren die Bilder von der Massenproduktion der so beliebten und oft als Snack zwischendurch verzehrten, freundlich “Hähnchen” genannten Fleischware. Die verzweifelten Schreie der zu Tausenden auf überfüllten Förderbändern transportierten Küken gellen noch in den Ohren sensibler Zuschauer. Am Ende dieser Produktionskette (in der Lebewesen, Mitgeschöpfe zum Verzehr präpariert wurden) waren dann die appetitlich abgepackten Brathähnchen zu sehen, die wir alle aus unseren Supermärkten kennen und für wenig Geld kaufen können. Und die Verbraucher freuen sich über die kleinen Preise, die sie zu zahlen haben, und es wird gegessen und gegessen und gegessen, auch wenn der eigentliche Hunger längst gestillt ist. Die Preise für das Fleisch (nicht nur Hähnchen werden so produziert) sind ja so gering! Sind sie es wirklich? Im Regenwald Südamerikas, der für das Klima auf unserer Erde eine entscheidende Rolle spielt, werden riesige Flächen Urwald gerodet, um Sojabohnen (natürlich GEN-manipulierte) anzubauen, um Futter für die Produktion all unserer Hähnchen, Schnitzel, Würstchen zu haben.
Und - schaffen es diese Produktionsmethoden, den Hunger in der Welt zu besiegen?
Während in Deutschland ein Großteil der Menschen zu Entfettungskuren muss, während Tausende durch falsches und zu vieles Essen unter diversen sogenannten Zivilisationskrankheiten leiden, sterben an den Folgen von Unterernährung In Indien, Brasilien (die für uns produzieren) täglich Tausende arme Menschen. Niedrige Preise?? Nein! Letztendlich zahlen wir alle einen stark überhöhten Preis, der nur die Lebensmittelkonzerne reich macht, die Welt aber arm und unsere Erde und Menschenwürde verletzlich.
Können wir etwas tun? Ich denke schon.! Wir brauchen doch nur bei der dritten Hähnchenkeule an die hilflos schreienden Küken zu denken, dann legen wir sie vielleicht beiseite, und kaufen zum nächsten Grillfest ein paar Kilo weniger ein, es wird trotzdem jeder satt. Und wenn Millionen von mitteleuropäischen Wohlstandsbürgern ein paar Kilo Fleisch weniger konsumieren, fällt das schon sehr ins Gewicht, und die Lebensmittelkonzernherren müssen mit Nachdenken beginnen. Letztendlich müssen wieder wir “kleinen Leute” uns unserer Macht bewusst werden. Wir sind doch keine Marionetten, die nach den Gelüsten einiger Mächtiger tanzen, die unsere Schwachheit für ihren Profit ausnutzen.
“Man lebt nicht, um zu essen, sondern man isst, um zu leben”, pflegte mein Großvater, ein Bäckermeister, zu sagen.